Und kam die goldene Herbsteszeit,...
Wilhelm Wiggenhagen - 15.10.2010
Und kam die goldene Herbsteszeit, ....
und die Birnen leuchteten weit und breit ... .
Jeder von uns wird diese so bekannten Zeilen Theodor Fontanes vor Augen haben, wenn er durch die zahlreichen, bunt gefärbten Wälder rund um Ennepetal einen Spaziergang macht. Lachen sie nicht, aber mir fallen darüber hinaus - auch oder gerade - die städtischen Haushaltpläne der letzten vielen Jahre ein, mit denen im Zuge der jährlichen Beratungen im Herbst viele „saftige und nahrhafte Birnen“ gepflückt werden konnten. Der städtische Birnbaum wurde durch üppige Steuerzahlungen gut gedüngt und die Bürgerinnen und Bürger konnten sich darauf verlassen, dass reichlich Früchte wachsen würden.
Die Zeiten haben sich leider verändert. Und wenn der Rat dieser Stadt „in der goldenen Herbsteszeit“ wieder - wie jedes Jahr - zusammentritt, um über die finanziellen Möglichkeiten des kommenden Jahres zu sprechen, dann weiß er, dass der Dünger (hier insbesondere die Gewerbesteuer) nicht mehr so reichlich vorhanden war, wie sonst. Statt „eimerweise“ konnten nur einige „Tassen mit Düngemittel“ den Wurzeln des Birnbaums angeboten werden und die Folge ist dann eben ein weitaus geringerer Ertrag. Es kann also nicht jeder eine Birne bekommen und es gilt, „den Gürtel enger zu schnallen“ und zu sparen. Die nächsten Wochen werden Rat und Verwaltung damit zubringen, möglichst gemeinsam eine Sparliste zu beschließen, die die Einsparungsnotwendigkeiten ausgewogen auf alle Bereiche der Bevölkerung verteilt. Dass dies ein mehr als schwieriges Unterfangen ist – insbesondere nach den üppigen Ernten in der Vergangenheit - ist mir völlig klar.
Ich hoffe nur sehr, dass uns letztlich ein ausgewogenes Lösungspaket gelingt. Und wenn ich uns sage, dann meine ich auch uns! Nämlich den gesamten Rat der Stadt Ennepetal. Es ist wahrlich keine Zeit für persönliche Eitelkeiten oder vermeintliche politische Erfolge. Das gilt für alle demokratischen Kräfte in diesem Gremium, unabhängig davon, ob sie sich in der „Regierungsverantwortung“ oder in der „Oppositionsrolle“ sehen. Wir alle müssen uns darüber im Klaren sein, dass „die Zeit der Geschenke“ zumindest vorübergehend vorbei ist und jede Entscheidung schmerzhaft sein wird. Lassen sie uns allerdings vehement darüber diskutieren, wie man im Einzelfall den Schmerz so gering wie möglich halten und wie man für eine wieder schmerzfreie Zukunft sorgen kann.
Einen ersten Schritt in diese Richtung hat der Rat der Stadt mit der beschlossenen Gründung einer Anstalt des Öffentlichen Rechts schon getan. Hiermit wird der gesamte technische Bereich der Stadtverwaltung zeitgemäß neu aufgestellt. Mit den Synergieeffekten werden Personal- und Sachkosten eingespart; dies nicht zuletzt deshalb, weil eine solche AÖR schneller, effektiver und preiswerter arbeiten kann, als Betriebe im traditionellen Verbund einer Stadtverwaltung. Und wenn wir im Fontane - Gedicht bleiben wollen, dann ist die AÖR „die Birne, die sich Herr von Ribbeck mit ins Grab legen ließ“, um später als Birnbaum auf seinem Grab neue Früchte zu tragen.
Wir müssen die aktuellen (schlechten) Zeiten überwinden, sind aber - nach der Krise - auf dem besten Wege, demnächst auch wieder gute Einnahmeergebnisse zu verbuchen. Und wenn dazu endlich Bund oder Land die Kosten für ihre Beschlüsse und Versprechungen auch selber tragen müssen und nicht wie in den vergangenen Jahren auf die Kommunen „abwälzen“, die nicht einmal mit entscheiden durften, dann dauert es nicht mehr lange, bis der Birnbaum (Stadt Ennepetal) wieder flüstert
„Lütt Dirn, Kumm man röwer, ick gew`di ´ne Birn.“„
Schöne Grüße
vom optimistischen
Wilhelm Wiggenhagen





