Zu(uuu)r(rr)ücktreten von der Bahnsteigkante!
Wilhelm Wiggenhagen - 17.09.2010
Der Zug fährt sofort ab!
Sehen Sie wie ich den gestrengen Bahnhofsvorsteher vor sich mit weißem Hemd und Schlips, frisch gereinigter Uniform und blank geputzten Schuhen? Die Mütze sitzt auf den geradezu peinlich korrekt geschnittenen Haaren und der äußerst gepflegte Schnurrbart verdient es, als Zierde des Mannes bezeichnet zu werden. Stolz blickt er auf „seinen Bahnhof“, der soeben einen Umbau hinter sich gebracht hat. Nun ist es sogar möglich, etwa mit einem Rollstuhl direkt vom jetzt erhöhten Bahnsteig in den Zug zu rollen, denn auch den Bahnsteig selber kann man mit einem Aufzug erreichen. Während er sich noch zu dem - wie er immer sagt - verkommenen alten Gebäude umdreht, kommt ein ebenso korrekt gekleideter Fahrgast um die Ecke, den er mit den Worten: „Guten Morgen, Herr Stadtverordneter“ begrüßt. Nach einem ebenso höflichen Gruß erzählt ihm dieser, dass der Stadtrat gestern beschlossen habe, das alte Gebäude zu kaufen, um auch dies attraktiv zu gestalten und den Bahnhof insgesamt wieder zu einem Schmuckstück zu machen. „Dann macht es auch wieder Spaß, Fahrkarten zu verkaufen“, bemerkt er hierzu und freut sich schon auf die Umbauarbeiten.
Heute sehe ich zwar keinen solchen Bahnhofsvorsteher, aber sehr wohl froh gelaunte Stadtverordnete, die in der Sitzung am 16. September 2010 - allen Widrigkeiten zum Trotz - den Ankauf des Bahnhofsgebäudes nahezu einstimmig beschlossen haben. Und um in der Sprache der „Bundesbahner“ zu bleiben: Dies war der Pfiff, der noch gefehlt hatte, um die Lok in Bewegung zu setzen. Es mag gerade im Förderverein Denkmal Bahnhof den einen oder anderen Zweifler gegeben haben, aber jetzt ist es an Ihnen allen zu demonstrieren, dass eine Bürgerbewegung hinter dem Vorhaben steht.
Machen Sie deutlich, sei es durch Unterschriftenaktionen oder Mitgliedschaften, dass die Ennepetaler ihr Bahnhofsgebäude erhalten wollen. Lassen sie uns gemeinsam das Land Nordrhein Westfalen davon überzeugen, dass an der Bergisch Märkischen Strecke ein Kleinod steht, das es wert ist, erhalten und genutzt zu werden. Denn, verehrte Leserinnen und Leser, welche Stadt hat ein solch „extravagantes“ (nicht im Sinne von überspannt, sondern eher im Sinne von Abweichung vom Üblichen) Bahnhofsgebäude? Und glauben Sie mir: Wenn es erst mal wieder - im wahrsten Sinne des Wortes - funktioniert, dann haben Sie allen Befürwortern eines Abrisses demonstriert, was Beharrlichkeit ausrichten kann. Machen Sie den Bahnhof zu einem Begegnungszentrum der besonderen Art, zweifeln Sie nicht am Konzept und versuchen Sie immer mehr Mitstreiter zu finden !
Sie werden es mit Sicherheit schaffen, denn der Jahresbeitrag im Bahnhofsverein beträgt nur 15 €. Und was immer ich dazu beitragen kann, das werde ich tun. Das gilt auch für den Rat dieser Stadt und die Stadtverwaltung.
Also! Im Zug „Bahnhofsgebäude“ sind noch Plätze frei (auch in der ersten Klasse)! Steigen Sie ein, es wird eine interessante Fahrt zu einem lohnenswerten Ziel!
Beitrittsformulare für den Förderverein bekommen Sie übrigens u.a. auch an der Rathausinfo.
Würde mich freuen, auch Sie bei der nächsten Mitgliederversammlung des Bahnhofsvereins persönlich begrüßen zu können.
Viele Grüße
Ihr
Wilhelm Wiggenhagen





