Will die Bürgerschaft so etwas wirklich,....

Wilhelm Wiggenhagen - 13.08.2010

frage ich mich in letzter Zeit vermehrt, wenn ich so manche der auch noch als „politische Auseinandersetzung“ deklarierten verbalen „Hau - drauf - Aktionen“ in der Zeitung lese. Um sogleich dem Verdacht vorzubeugen, bei diesem Artikel handele es sich doch auch nur um die Fortsetzung der Ennepetaler Serie „Nur ich habe - wie immer - Recht „ , will ich nicht verhehlen, dass ich selber bisher auch ein Teil dieser Form der Auseinandersetzung war. Ich sage natürlich nicht, dass alles falsch war, was ich in der Vergangenheit getan habe, ich bin im Gegenteil nach wie vor der Überzeugung, dass vieles richtig, wichtig und zu seiner Zeit auch notwendig war und ist. Es ist aber doch keine Schande, einzugestehen, dass möglicherweise die Art der Bekanntgabe, der Zeitpunkt der Umsetzung oder die Form der Beteiligung politischer Gremien - nennen wir es einmal so - von mir als „verbesserungsbedürftig“ erkannt wurden. Andererseits wird doch auch der Bürger dafür Verständnis haben, dass ein Ratsmitglied in seiner spärlich bemessenen Zeit nicht jede Vorlage bis ins letzte Detail lesen kann. Kein Verständnis wird man als Mitglied des Rates aber dafür ernten, dass für das eigene Versäumnis ein anderer (gerne wird der Bürgermeister als „Watschenmann“ genommen) herhalten soll.
Nein! So kann und darf es hier in unserer Stadt nicht weitergehen. Dies hatte vor einiger Zeit auch Bernd Oesterling von der Westfälischen Rundschau mit seinem Kommentar „ So kann eine Stadt nicht gedeihen!“ treffend zum Ausdruck gebracht. Ich will die aktuelle Diskussion über die vom Rat der Stadt gestrichenen Zahlungen an die Sozialverbände nur deshalb noch einmal aufgreifen, weil sie noch so deutlich in den Köpfen der Menschen verankert ist. Will man denn wirklich, dass wir uns in dieser Form über 9.000,-- Euro streiten, wo die Stadt – nicht zuletzt auch in finanzieller Hinsicht - vor weitaus größeren Aufgaben steht? Wenn ich dies so darstelle, dann hat das nichts mit der Frage zu tun, wer denn in Ennepetal „die soziale Kompetenz für sich gepachtet hat“, sondern es soll lediglich ein Beispiel sein. Lassen Sie uns bitte gemeinsam darüber nachdenken, ob dies die Bürgerinnen und Bürger für eine notwendige politische Auseinandersetzung halten, oder ob wir alle nur dazu beitragen, der Presse entsprechende Schlagzeilen und Artikel zu verschaffen.
Es ist keine leere Worthülse, wenn ich hiermit erneut die Hand ausstrecke, um zu Gemeinsamkeiten im Handeln zu gelangen. Ich bin der festen Überzeugung, dass dies die Wählerinnen und Wähler von uns erwarten, unabhängig davon, wem sie ihre Stimme bei der Kommunalwahl gegeben haben. Denn erfolgreich können wir nur sein, wenn wir gemeinsam daran arbeiten, die schweren Zeiten zu überwinden. Und für mich kann ich nur feststellen, dass mir bei der Bewältigung dieser Aufgaben völlig gleichgültig ist, wer „gute Vorschläge“ unterbreitet. Nur gut müssen sie eben sein. Wie beispielsweise der neuerliche Vorschlag der SPD - Fraktion auf Beteiligung der Bürger im Vorfeld der Aufstellung des Haushaltsplans.
Hoffentlich gelingt es mir, auch die „kritischsten Geister“ im Rat der Stadt von der Notwendigkeit des gemeinsamen Handelns zu überzeugen, denn nur dann wird „diese Stadt weiter gedeihen“.
Letztlich stimme ich Friedrich Wilhelm Thun aus Voerde insofern zu, als er vor einigen Tagen m.E. völlig zu Recht erklärt hat, „es sei kein Krieg in Ennepetal“. Politik sollte eine sachliche Auseinandersetzung beinhalten, die dem Ziel dient, „der Stadt Bestes zu suchen und zu erreichen“. Sie sollte aber weder auf einem „Kuschelkurs“, noch in einem „Catch Ring“ betrieben werden; und schon gar nicht auf einem „Schlachtfeld“!. Aber sie sollte von Verständnis und Respekt für die unterschiedlichen politischen Standpunkte geprägt sein und sich nicht darauf beschränken, ohne Diskussion die Vorschläge des „jeweils anderen Lagers“ kategorisch „nieder zu machen“!!
Das geht aber nur, wenn man miteinander (mehr als bisher) redet, und nicht übereinander!

Schöne Grüße und bis morgen auf dem Klutertbergfest
Wilhelm Wiggenhagen