"Mit Sport alleine gibt es kein Abitur",
Wilhelm Wiggenhagen - 17.07.2010
sagte sie mal wieder zu mir. Soeben hatte ich nämlich meiner Französischlehrerin offensichtlich wieder einen Beleg für ihre These geliefert, dass die französische Sprache für jeden auf der Welt erlernbar sei, nur nicht für mich. Meinen Vokabelschatz konnte man zu jener Zeit getrost als „bruchstückhaft vorhanden“ bezeichnen, was sie aber ausschließlich darauf zurückführte, dass ich ihrer Meinung nach zu oft auf dem Fußballplatz stand und deshalb für das Erlernen dieser „phantastischen Sprache“ schlichtweg nicht genug Zeit hätte. Aus heutiger Sicht betrachtet hatte sie mit ihrer Meinung auch nicht unrecht. Mit „ Mein lieber Freund, Rauchen ist auch für den besten Sportler schädlich !“, füllte sie das Fass der Peinlichkeit vollends auf und mit einem Tonfall, der darauf schließen ließ, dass das ganze Leid der Erde auf ihren Schultern abgeladen würde, erfuhr ich dann , dass sie „es nun leid sei mit mir“ und hörte die Worte: „Wiggenhagen kriegt einen Tadel; das Klassenbuch umgehend zu mir!“
Mein ansonsten sehr verklärter Rückblick auf meine Schulzeit am Reichenbach Gymnasium wird ab und an durch dieses Erlebnis „getrübt„ und so ging mir kurzfristig auch diese Szene durch den Kopf als ich zur Entlassfeier der diesjährigen Abiturienten ging, um zum ersten Mal eine Rede als Bürgermeister bei einer Abifeier zu halten.
War es nicht erst gestern, als mir mein Deutschlehrer mit dem bezeichnenden Namen Dietrich Deutsch meine Interpretation mit einem durchaus wohlwollenden Lächeln zurück gab? So wohlwollend war das Lächeln, als ob Dietrich Deutsch bei der Korrektur klar geworden sei, dass „Deutsch tatsächlich die Muttersprache von Wilhelm Wiggenhagen ist “. Liegen die offenen Diskussionen mit unserem jungen Klassenlehrer Jörg Döpp, der uns eher ein guter Kumpel war, als „ein gestrenger Lehrer“, wirklich schon mehr als 35 Jahre zurück ? Läuft da vorne nicht mein erster „Direx“ Dr. Textor - übrigens der erste Bürgermeister der Stadt Ennepetal - über den Flur oder ist es etwa Horst Kötter, der auch damals schon so schöne Bilder malte und seine Reden immer ohne ein Blatt Papier, aber nicht ohne Konzept, vortrug ?
„Hallo Wilhelm“, höre ich hinter mir und erkenne schon an der Stimme Bernfried Stich. Mathe und Biologie, seine Unterrichtsfächer, haben mir zumindest so einigermaßen gelegen und insofern muss ich keinen „bösen Seitenhieb“ auf meine Schulzeit befürchten. Dazu ist Bernfried Stich auch nicht der Typ und außerdem haben wir beide uns in den vergangenen Jahren schon bei den verschiedensten Gelegenheiten getroffen. Auch mit Fredy Niebuhr kann ich gut über die „alten Zeiten“ plaudern, über Klassenkameraden, die auch er alle noch kennt und über die Gegenwart hier am Reichenbach Gymnasium. Beide hatten wir den Umzug „vom Breslauer Platz an die Peddinghausstrasse“ mit erlebt und erinnern uns an die seinerzeit sehr modernen und großzügigen Klassen- und Fachräume. „Demnächst ist das hier eine gebunden Ganztagsschule mit einer schönen Mensa“, sagte ich am Freitag zu Fredy Niebuhr und Dietrich Deutsch, um dann zu ergänzen, dass die Schule wohl ein völlig neues Gesicht erhalten und ich mir wünsche, dass sie mit den Veränderungen Schritt halten werde.
Mein altes Gymnasium ist zu Recht eine Schulstätte, die in weitem Umkreis ihres Gleichen sucht. Das merkt man auch an den gestiegenen Schülerzahlen. Denn während sich bei meiner Entlassfeier im Jahre 1975 lediglich 45 „wackere Schülerinnen und Schüler“ mit ihren Angehörigen im weiten Rund der Aula fast verloren, waren es in diesem Jahr im großen Saal des Haus Ennepetal145 Abiturienten - ebenfalls mit Angehörigen -, die es galt ins Leben zu entlassen. Eine beeindruckende Zahl !
Wie mir, wird es auch vielen der jungen Menschen in 35 Jahren ergehen. So habe ich beispielsweise anlässlich des diesjährigen Pfingstturniers die Mannschaft des RSC Anderlecht in französischer Sprache begrüßt, um mein „Französisch Trauma“ ein wenig zu überwinden. Und das mit dem Rauchen, das werde ich bestimmt........!!!
Schwamm drüber ! Bürgermeister und Schüler verbindet letztlich die Tatsache, dass man Urlaub nur in den „amtlich verordneten Ferienzeiten“ antreten sollte. Und das werde ich jetzt auch tun! Ich wünsche Ihnen allen sonnige und dabei „doch erträgliche“ Wochen, denn der Winter kommt schnell genug und wir sollten - soweit wir es können - das schöne Wetter genießen.
Nach meinem Urlaub melde ich mich an dieser Stelle wieder zurück und hoffe sehr, dass Sie bis dahin alle gesund und munter bleiben.
Schöne Grüße
von einem
„ein wenig urlaubsreifen“
Wilhelm Wiggenhagen





