11 Freunde sollt ihr sein,...

Wilhelm Wiggenhagen - 25.06.2010

war die Kernaussage der Mannschaftsbesprechung vor jedem Spiel „meines“ RSV Altenvoerde und sie kam regelmäßig von unserem damaligen vor einigen Jahren verstorbenen Trainer Mischa Vukcevic.
Ja, Vukcevic war sein Name! Ihm war der Titel dieses Buches, das jeder fußballbegeisterte Junge in meinem Alter mindestens einmal gelesen hat, sehr geläufig; und das, obwohl er Jugoslawe war (der Staat Jugoslawien war zu der Zeit noch nicht aufgeteilt). Mischa arbeitete bei AUBI, sprach immer und überall, zugegeben ein bisschen gebrochen, aber gut verständlich deutsch, war als Trainer in Altenvoerde eine bekannte Persönlichkeit und somit auch für mich ein „selbstverständlicher Teil“ meines Lebens. Ich dachte nicht über eine - wie auch immer geartete - Integration nach, denn Mischa war einfach da, er war einer von uns, er war „der Trainer“!
Es hat schon eine ganze Zeit gedauert, bis ich begriffen hatte, dass das harmonische Verhältnis „Altenvoerde zu Vukcevic“ nicht der Regelfall, sondern doch eher die Ausnahme im Zusammenleben mit Menschen aus anderen Ländern und Kulturkreisen war. Nicht jeder hat es den „Einheimischen“ so leicht gemacht, sie zwar als Ausländer zu sehen, aber sofort als „Dazugehörige“ zu akzeptieren, wie etwa der Jugoslawe Mischa Vukcevic, der - leider viel zu früh verstorbene - Portugiese Maulitano Perreira oder der Italiener Giuseppe Bianco, heute aktives Mitglied im Rat der Stadt Ennepetal. Und nicht jeder von den „Einheimischen“ hat es den „Zugereisten“ so einfach gemacht, wie die deutschen Mitglieder in der Initiative gegen Ausländerfeindlichkeit, von denen ich hier - nur stellvertretend - Uwe Schumacher nennen möchte.
Viel zu oft hat man die neuen Gewürze und Gerichte, wie Pasta in allen Variationen, gegrillte Sardinen, Cevapcici und Djuvec Reis und nicht zuletzt Moussaka mit Tsatsiki als Vorspeise auf den eigenen Speiseplan genommen, die Menschen, die diese Gerichte aus ihrer Heimat mitgebracht hatten, aber nicht beachtet. Und es ist auch nicht so, dass „die Zeit alle Wunden heilt“! Denn obwohl wir teilweise bereits in der dritten Generation mit zahllosen Menschen zusammenleben, die ihre Wurzeln in den - auch kulturell - unterschiedlichsten Ländern haben, fällt es vielen unter uns immer noch schwer, die Hand zu einem vertrauensvollen und friedvollen Miteinander zu reichen oder gar das Miteinander als Selbstverständlichkeit zu akzeptieren.
Es ist gut, dass demnächst auch in Ennepetal ein Integrationsrat gebildet werden soll und ich wünsche mir sehr eine hohe Zahl von Wahlberechtigten und eine hohe Wahlbeteiligung, damit auch die „ewig Gestrigen“ verstummen und erkennen müssen, dass im Kreise unserer ausländischen Mitbürger, der Wunsch, etwas mehr Gehör zu finden, ausgeprägter ist, als gemeinhin geglaubt wird. Aber bitte, verstehen Sie alle das Wort Integration so, wie es verstanden werden muss. Hierunter ist nämlich keinesfalls eine Assimilation, also eine völlige Anpassung, zu verstehen; vielmehr verlangt die Integration eben nicht die Aufgabe der eigenen kulturellen Identität. Sicherlich muss man von den Menschen mit Migrationshintergrund erwarten, dass sie die deutsche Sprache erlernen und ihre Nachkommen mehr auf die neue Gesellschaft als auf das Herkunftsland einstellen. Andererseits muss es aber auch unsere Aufgabe sein, ständig und immer wieder zu versuchen, Fremdenangst, Vorurteile, Diskriminierung und Rassismus abzubauen.
Ich bin zuversichtlich, dass dieser Prozess letztlich zu einem guten und erfolgreichen Abschluss gebracht werden kann.
Am letzten Wochenende hat das Freundschaftsfest auf dem Marktplatz in Milspe Zeugnis dafür abgelegt, dass man ganz wunderbar „MITEINANDER feiern“ kann. „MITEINANDER arbeiten“ ist - wie man landauf und landab hört - offensichtlich auch kein so großes Problem.
Dann gilt es eben nur noch das „(selbstverständliche) MITEINANDER leben“ nach und nach zu verbessern !

Schönes Wochenende
- und grüßen Sie Ihre ausländischen Nachbarn -
von
Wilhelm Wiggenhagen