"Osterrätsel" (?) oder "nicht zu beneidender Stellvertreter"

Wilhelm Wiggenhagen - 26.03.2010

Stellen Sie sich einmal vor, sie hätten die Arbeit in einem Verein aufgegeben, weil der von Ihnen bevorzugte sachliche Umgang mit anderen Vereinen vom vermeintlich wichtigsten Spieler in Ihrer ersten Mannschaft einfach nicht mitgetragen wird. Dieser Spieler betrachtet seine Spielweise als die einzig Richtige, verkennt aber völlig, dass die Jury ihm vielleicht auch aus diesem Grunde immer wieder nur das gebuchte Abonnement für Silbermedaillen zubilligt. Bei der Frage, ob es auch mal Gold sein könnte, wird er regelmäßig als „zu leicht befunden“.
Der Verein bedauert Ihre Entscheidung und setzt - insbesondere als der Hauptspieler wieder einmal den Sieg nicht erringen konnte - alles daran, Sie in seine Reihen zurück zu holen; denn, so das Argument: „Sachverstand kann wirklich nicht schaden !“

Sie geben dem Werben nach und kaum sind Sie wieder dabei, müssen Sie in vorderster Front die Interessen des Vereins nach außen vertreten. Das tun Sie, auch weil Sie der Hoffnung sind, dass der gewählte Erste Vorsitzende - zu dem Sie übrigens ein ganz hervorragendes Verhältnis haben - die Amtsgeschäfte demnächst wieder übernehmen wird. Sie erledigen diese Aufgabe gern und - nebenbei - auch sehr gut.
Sie haben aber sehr schnell das Gefühl, dass der Hauptspieler nun überhaupt nichts dazu gelernt hat und weitaus weniger die Interessen des Vereins, denn seine eigenen Interessen (vielleicht auch Befindlichkeiten) in den Vordergrund seines Handelns stellt. Sie merken, dass er im übrigen in seinem (Ihrer Auffassung nach falschem) Handeln Unterstützung von einem PR-Berater erfährt, der nicht die leiseste Ahnung von den Regeln hat, nach denen der Sport in Ihrem Verein betrieben wird. Sie erkennen zwar schnell, dass „emotionale Logik“ das Handeln bestimmt, stellen sich aber trotzdem schützend vor diesen Spieler! Weil Sie - der Sie in erster Linie ein „Pflichtenerfüller“ sind - dies für Ihre Aufgabe halten.
Wenn man in so einer Situation darüber nachdenken würde, ob man demnächst mit einem neuen - zwar noch nicht so bekannten, aber sehr eifrigen - Spieler antreten sollte, dann könnte ich das verstehen.

Nun weiß ich gar nicht so genau, warum mir das alles durch den Kopf gegangen ist. Schließlich gibt es hier in Ennepetal wohl keine vergleichbare Situation - oder? Aber wenn es sie gäbe, dann wäre ein solcher Stellvertreter einfach nicht zu beneiden.
Das wollte ich nur mal gesagt haben, bevor ich jetzt für ein paar (wenige) Tage in Urlaub fahre.
Ich wünsche Ihnen allen erholsame Ferien- und Ostertage und verbleibe

mit österlichen Grüßen

Wilhelm Wiggenhagen