"Bo globse, Inge....
Wilhelm Wiggenhagen - 05.10.2011
wenn dat nich der Bürgermeister iss, dann fress` ich en Besen“, hör ich in tiefstem Ruhrpott Slang hinter mir und drehe mich ganz erstaunt um. Ja, er ist es!
Eifrige Leser dieser Seiten erinnern sich sicherlich an Herbert L. aus Bochum Stiepel, der schon in den zurückliegenden Jahren immer gerne die Super Höhle in Ennepetal besuchte. “Mensch Herbert, was machst Du denn hier“ rufe ich erfreut und lade ihn spontan zu einer Tasse Kaffee ins Eiscafe Venezia ein. „Nach 30 Jahre aufm Pütt, muss man schoma ein Eimer saubere Luft zu sich nehmen“, hat Herbert ganz schnell als Erklärung für seinen Besuch in Ennepetal parat und schwärmt im Übrigen von den anderen Schönheiten unserer Stadt. „Stiepel liegt doch direkt an der Kemnade, da kann man aber auch prima laufen“, gebe ich zu bedenken. „Aba doch nich bei die vielen Leute, da kann man manchmal nich ma den See sehen. Da komm ich doch lieber zu Euch“ sagt er und bestellt sich „nur ma son kleinen“ Weinbrand „füren Geschmack im Kaffee“.
„Und was macht son Bürgermeister den lieben langen Tag?“, fragt er mich und das gibt mir die Chance, mal ein wenig über das zurückliegende - lange - Wochenende zu plaudern. Darüber, dass in der Bürgerbeteiligungsrunde am Freitagabend zum neuen Flächennutzungsplan die vordergründig nicht ganz unberechtigte Frage gestellt wurde, warum eigentlich neue Wohngebiete ausgewiesen werden sollen, wenn doch die Bevölkerungszahl sowieso immer weiter zurückgeht. Herbert L. vor Augen wollte ich schon sagen, „damit die nicht alle nach Bochum ziehen“, habe es mir aber letztlich doch verkniffen. Obwohl diese Begründung den Kern der Sache sehr gut trifft. Eine Stadt wie Ennepetal muss ein zusätzliches Angebot schon deshalb vorhalten, damit sie als attraktiver Wohnstandort im Gespräch bleibt. „Die Folgen spürst Du ganz schnell“, doziere ich, „denn jetzt, wo sich unser neues Wohngebiet am Büttenberg füllt, haben wir seit langem auch mal wieder mehr Leute, die hier hingezogen sind, als solche, die weggezogen sind“. Und als Herbert in der ihm eigenen Art ausruft: „Da kannse aba stolz drauf sein, Bürgermeister!“, genieße ich dieses versteckte Lob und rühre meinen Milchkaffee um.
„Am Samstag war ich auf dem Seniorensporttag, das war wirklich eine hervorragende Veranstaltung. Ich habe die mittägliche Wanderung mitgemacht und mich gut amüsiert“, nehme ich das Gespräch wieder auf. „Und, waren die alten Leutchen nett zu dir“, fragt mich Herbert, worauf ich im Brustton der Überzeugung mit einem sehr lauten „Selbstverständlich“ antworte. Dass ich mir allerdings noch morgens die Frage gestellt hatte, ob möglicherweise die Diskussion über die moderate Reduzierung unserer Zuschüsse für die Seniorenarbeit wieder aufkommen könnte, habe ich verschwiegen. Ich hatte sie aber auch sehr schnell wieder verdrängt, weil ich darauf gesetzt hatte, dort Menschen zu treffen, die für die aktuelle finanzielle Situation ihrer Stadt Verständnis haben und genau so war es ja auch!
„Mensch Herbert, was sollten wir als Stadt bloß ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer tun“, fuhr ich fort. „An einem Wochenende unterstützen sie den Seniorensporttag und am nächsten organisieren sie einen Gauwandertag des Märkischen Turngaus“. Da hatte ich aber bei Herbert L. voll ins Schwarze getroffen. „ Ja Wilhelm, ich bin auch zweiter Kassierer in unserem Taubenverein. Die Biester müssen ja auma fliegen und wer besorgt den LKW? Richtig! Imma Herbert! Und globse, dat ma eina Dankeschön sagt? Nee keiner!“
Er hat ja Recht der Herbert. Auch wir hier in Ennepetal bedanken uns viel zu selten. Es sind immer die gleichen Menschen, die ich Wochenende für Wochenende im Einsatz sehe und die zahllosen Stunden unter der Woche bekommt kaum jemand mit. So will ich wenigstens an dieser Stelle bei all denjenigen noch einmal Dankeschön sagen, die sich ohne Murren einer ehrenamtlichen Tätigkeit verschrieben haben und ihre Aufgaben erfüllen, ohne danach zu schielen, welchen Vorteil sie persönlich davon haben könnten.
So auch bei den Heimatfreunden in Voerde, die letzten Samstag wieder eine Erntekrone aufgestellt haben oder beim TuS Haspetal, der zu einem stimmungsvollen Oktoberfest eingeladen hatte. „Den Wettbewerb um den Oktoberfestprinzen hat übrigens Harry Hirsch gewonnen, weil er am längsten eine Maß Bier am ausgestreckten Arm halten konnte“, berichtete ich Herbert, der danach amüsiert feststellte, „..dass die Ennepetaler Polizeibezirksbeamten wohl Leute zu anfassen sind“.
„Hast Du eigentlich noch Dein Cabrio“, fragte ich Herbert. Über dieses Automobil hatte ich schon mal im Juni des vergangenen Jahres berichtet (Artikel: Sommer, Sonne..., Cabrio).
Als er dies bejahte, habe ich nachgehakt. „Und warum warst Du am Sonntag nicht am Industriemuseum und hast Dir dort die Oldtimer angeschaut“, glaubte ich eine ganz pfiffige Frage gestellt zu haben. Aber mit dem Schlitzohr aus dem Ruhrpott hatte ich nicht gerechnet, denn prompt kam die Antwort: „Weil ich Eving Lindenhorst gegen den TUS Ennepetal verlieren sehen wollte. Wenn ich was nich leiden kann, dann isses ein Fußballverein aus Dortmund. Muss ja nich immer die Borussia sein, es tut auch schoma eina aus Eving!“
An dem Punkt habe ich mich dann ganz schnell verabschiedet. Ich kann den Herbert wirklich gut leiden und ich möchte mich nicht mit ihm streiten. Aber so was von Schalke Fan! Der Mann kommt aus Bochum, da kann man doch auch mal zum VfL halten, aber Schalke.....!?
Egal, den werde ich noch zu bekehren versuchen.;-)
Viele Grüße
von
Ihrem
Wilhelm Wiggenhagen





